Gwerbliche Schule Nagold

Die jüngste Vergangenheit

Zwei große Einschnitte bringen die sechziger Jahre: Die kaufmännische Abteilung der Gewerblichen Schule wird 1963 unter dem Namen "Kaufmännische Berufs- und Handelsschule" selbständig, und 1969 übernehmen die Landkreise von den kommunalen Verbänden die Trägerschaft der Beruflichen Schulen. In dieser Zeit der "Bildungsreform" wird auch in Nagold eine Reihe von beruflichen Vollzeitschulen gegründet, einjährige Berufsfachschulen, 1970 die zweijährige Berufsfachschule Metall, 1973 das Technische Gymnasium und 1984 das einjährige Berufskolleg zum Erwerb der Fachhochschulreife. Mit diesem noch in der Gegenwart nicht abgeschlossenen Trend zur beruflichen Vollzeitschule stoßen die Beruflichen Schulen endgültig in eine neue Dimension, von der zu Beginn der modernen Berufsausbildung vor 150 Jahren nichts zu ahnen war. Seit den sechziger Jahren wachsende Schülerzahlen führten zum Neubau des Beruflichen Schulzentrums, das 1979 bezogen wurde und im Jubiläumsjahr erneut vergrößert werden muss. Schulträger und Bildungspolitik reflektieren damit einerseits auf Arbeitsmarktprobleme, andererseits aber auch auf den Strukturwandel des Arbeitsmarktes, der eine Vielzahl neuer Bildungsgänge hervorgebracht hat.


Und damit könnte sich der Kreis zu den Anfängen der Gewerblichen Schule vor 150 Jahren wieder schließen. Deren Gründung kann als Reflex auf den Strukturwandel zur modernen Industriegesellschaft verstanden werden, auch wenn das die vom handwerklichen Denken geprägten Akteure noch nicht so sahen. Am Ende des Industriezeitalters im Übergang zum "Informationszeitalter" oder zur "Dientsleistungsgesellschaft" gibt es möglicherweise ähnliche Probleme, Aufgaben und Herausforderungen wie zum Beginn moderner beruflicher Bildung im 19. Jahrhundert.


Ulrich Schmelzer, Gewerbliche Schule Nagold 1999